Familienname Wahl
von Rolf Wahl, Jena.Erstmalige Nennung von Hans Wahl in Obersteinbach im Erbregister des Amtes Hallenberg von 1619. 1639 wird in einer Amtsrechnung von Hallenberg ein Hans Wahl, Böttger in Obersteinbach genannt. Sein vermuteter Herkunftsort ist Zella-Mehlis. Über ihn heißt es in der von Buddeus/ Zeyß/ Kröhn verfassten Chronik der Stadt Zella-Mehlis auf Seite 323: Auf dem Martinigericht, am 5.November 1604, wird über Hans Wahl, genannt Lang Hans geurteilt, der zwei Weiber hat nehmen wollen und deshalb schon festgesetzt worden ist. Das Gericht bestimmt, daß er noch acht Tage im Gefängnis sitzen und dann vor Weihnacht mit Peter Kellermanns Tochter, mit der er sich zuerst verlobt, Hochzeit machen soll.
Mit Hans Wahl beginnt eine bis in das 20. Jahrhundert reichende Tradition der Büttnerfamilie Wahl zu Steinbach-Hallenberg. 1667 wird als Nachfahre in einer Kirchenrechnung für Lucas Wahls Witwe der Büttner Lucas Wahl in Untersteinbach genannt. Ausgangspunkt für die Büttnerfamilie Wahl wird aber der am 21.10.1650 geborene Johann Abel Wahl. Er hinterlässt 1722 an seine 5 Söhne Mauritius, Johannes, Paulus, Philipus und Johann Abel Junior nicht nur sein Besitz und seine Profession, sondern auch seine Gemeindeämter. Der Büttner und Schneidemühlenbesitzer Johann Abel Wahl von Obersteinbach war 40 Jahre Zwölfer und Gemeindebraumeister. Es ist davon auszugehen, dass alle noch in Steinbach-Hallenberg lebenden Wahl-Namensträger ihren Ursprung in einem der 5 Söhne des Johann Abel Wahl finden können. Im späten Mittelalter waren die Büttner und die Brauer in einer gemeinsamen Zunft. Demzufolge wird das Amt des Gemeindebraumeisters über Jahrhunderte durch einen Vertreter der Büttnerfamilie Wahl ausgeübt. Der erstgeborene Sohn des Johann Abel Senior, Mauritus Wahl wird in der von Köbrich verfassten „Geschichte von Steinbach- und Amt Hallenberg“ auf Seite 76/ 77 als Mitglied des Zwölfer-Stuhles von 1728 ausgewiesen. Der zweitgeborene Sohn Johannes Wahl, wird als Büttner in Obersteinbach im gleichen Buch auf Seite 77 als Brauherr und Eichmeister genannt. Der dritte Sohn von Johann Abel Wahl, der Büttner Paulus (Paul) Wahl übt das Gemeindeamt des Fleischschätzers aus. Auch der Enkel von Johann Abel Wahl, der 1707 geborene Büttner Johannes Wahl tritt die Nachfolge als Braumeister an. Im 17. und 18. Jahrhundert tritt als Beruf in der Familie Wahl von wenigen Fällen abgesehen der Beruf des Büttner auf. Erst mit Beginn des 19. Jahrhundert suchen einzelne Zweige der Familie Wahl auch ihr Auskommen in Berufen des hiesigen Schmiedehandwerks, als Nagelschmiede- und Schlossermeister.
Gebunden an die Herrschaftlichen Verhältnisse in der Landgrafschaft von Hessen-Kassel bzw. den Kurfürstentum Hessel-Kassel sind Mitglieder der Familie Wahl als Soldat in Diensten ihres Landesherren im Siebenjährigen Krieg 1756-1763 (Johann Michael Wahl, *18.08.1734, †12.11.1788; Soldat im Regiment Prinz Anhalt, Büttner, Adjuvante), im Ersten Koalitionskrieg 1792-1797 (Johannes Wahl, *14.04.1775, †24.09.1845; Musketier in Landgraf Carls Regiment, Büttner) sowie auch in den Napoleonischen Befreiungskriegen 1813-1815 (Christian Wahl, *22.03.1790, †12.01.1855; Kanonier der Fuß-Artillerie, Büttner – er ist auch verewigt auf der in der Steinbacher Kirche befindliche Denktafel für die „Kurhessischen Vaterlandsvertheidiger“). Auch Köbrich erwähnt ihn auf Seite 206. Nachdem 1866 das Kurfürstentum Hessen-Kassel von Preußen einverleibt wird und Steinbach-Hallenberg als Ort der Provinz Hessen-Nassau existiert wird als Teilnehmer des deutsch-französischen Krieges 1870-1871 von Köbrich auf Seite 208f der Tüncher und Böttcher Kaspar Wilhelm Wahl genannt. Als Gefallene des 1. Weltkrieges sind auf dem von der Gemeinde Steinbach-Hallenberg 1929/ 30 errichteten Denkmal verewigt:
- Otto Wahl, gefallen 1914: Inf. Rgt. 32
- August Wilhelm Wahl, gefallen 1916: Res. Inf. Rgt. 251
- Fridolin August Wahl, gefallen 1916: S. M. M. 34
- Karl August Wahl, gefallen 1918: Feld Art. Rgt. 260
Zum Ausgang des 19. Jahrhunderts suchen auch einige Mitglieder der Familie Wahl ihre Lebenssituation durch ihre Auswanderung nach Amerika zu verbessern. Im Jahre 1882 wandert Peter August Wahl über Bremen und New York nach Fredericksburg/ Texas aus. Seine Nachfahren leben heute noch in Texas. 1896 verlässt Marie Elisabeth Wahl, die Witwe des Schlossermeisters Peter Wilhelm Wahl mit ihren Söhnen Adolf und August Steinbach-Hallenberg und siedelt sich in Newark/ New Jersey an. Dorthin ist bereits 1893 ihr ältester Sohn David ausgewandert. Die Nachfahren dieser ausgewanderten Familie leben noch heute in den Vereinigten Staaten von Amerika (u. a. in Kalifornien).
Die Familie Wahl ist u. a. historisch eng verknüpft mit den Familien Wilhelm, Nothnagel, Knoth, Eck, Ehrle, Bauerschmidt, Jäger, Usbeck, Preiß, König und den Holland-Variationen.
Kommentare
Kommentar von Sigismund Kobe | 17.04.2009
Ob man die gesamte Huldigungsliste nicht auch in der Seite einstellen sollte, denn dann hätte man die praktisch vollständige Namensliste zu diesem Zeitpunkt?
In meiner Familienforschung bin ich in einer Nebenlinie auf WAHL gestoßen:
Erwähnt wird in einer Trauung 1839 als Mutter der Braut: (die 1839 bereits verstorbene) Cathrina Margarethe geb. WAHL als Ehefrau des ebenfalls verstorbenen Nagelschmieds Johannes BICKEL.
Kann man das in Ihre Forschung einordnen und wissen Sie evtl. mehr über diesen Zweig?
Viele Grüße aus Dresden
Sigismund Kobe
Kommentar von Thoralf Nothnagel | 12.06.2009
Kommentar von Katrin Wahl | 30.08.2009
ich schätze die "einzelnen Zweige ... die ihr Auskommen in Berufen des hiesigen Schmiedehandwerks, als Nagelschmiede- und Schlossermeister [suchen], das dürfte wohl auf meine direkten Vorfahren zutreffen. Mein Stammbaum beginnt mit dem Hüttenvogt Johannes Wahl (*15.11.1809 +20.04.1886). Sein Enkel, mein Ur-Ur-Großvater, Ernst Wilhelm Wahl (*13.02.1860 +06.02.1946) ist dann der erste Schlosser und Nagelschmied in unserer Familie. Für jegliche Informationen diese Linie betreffend wäre ich äußerst dankbar. Vor Jahren war ich mal direkt vor Ort in Steinbach-Hallenberg, auf dem Standesamt konnte man mir aber keine Informationen geben, dort verwies man mich lediglich an das Landeskirchliche Archiv in Kassel (das war mir ehrlich gesagt bis jetzt zu weit und zu kostenintensiv). Also, alles diesen Zweig der Familie betreffende was ich an Daten und Informationen bekommen könnte wusste ich sehr zu schätzen.
Grüße aus der Oberpfalz, Katrin
Kommentar von Christoph | 24.08.2011
Hallo,
unter meinen Vorfahren, die aus dem Wittgensteinschen (Berleburg, Wemlighausen, Schüllar) stammen, befinden sich eine Reihe von Nagelschmieden. Vielleicht könnte ein Vergleich der Vorfahrenlisten interessante Aufschlüsse bieten.
Gruß aus Filderstadt
Christoph
Kommentar von Jessica | 24.11.2011
Hallo Herr Wahl,
Ich bin eben über eine google Suche auf Ihre Seite gestossen.
Eine Bekannte von mir sucht ihre Vorfahren in Deuschland. Sie lebt in den USA und hat die Familie WAHL in ihrem Stammbaum. Ein Peter Wahl (geboren ca. 1819) ist wohl von Deutschland ca. 1880 in die USA ausgewandert.
Ich würde mich über eine Nachricht freuen und vielleicht ist das ja eine Nachfahrin von Ihrer WAHL Linie. Leider hat sie noch keinen Ort in Deutschland wo ihre WAHL herkommen.
Herzliche Grüße,
Jessica Thomas